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Alpha-Journalist von Trauer in Wahnsinn getrieben

Germaniens Gossen-Goethe hat mal wieder zugeschlagen. Was Franz Josef Wagner da zusammen deliriert hat, liest sich wie eine komplett misslungene Imitation von Piet Klockes genialen gedanklichen Rösselsprüngen. Dem Alpha-Journalisten Wagner nimmt man locker ab, dass er wirklich ohne Intelligenz, Bildung und Sprachkenntnisse durchs Leben eiert. Sein Nachruf auf den österreichischen Schriftsteller Johannes Mario Simmel ist in jeder Hinsicht zum Totlachen.

Hier ein paar Kostproben:

 

Also mal ehrlich: Wer ist hier “vom Anblick her benachteiligt”, wie Gossen-Goethe so wortgewaltig formuliert? Der gepflegte, etwa 80jährige weißhaarige Herr links oder der verlebte Mann rechts? Da sitzt einer im Glashaus und schmeißt mit Steinen. Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr!

Was will uns der Autor eigentlich sagen? Sicher nicht das, was er sagt! “Er schrieb, wie Hunde heulen, sodass man im Innersten erbebte.” Hä? Schreiben, wie Hunde heulen? Schreiben andere, wie Pferde wiehern? Oder wie Frösche quaken? Der Gestus tendiert ins Grandiose, die Botschaft ins Nebulöse. Garantiert findet Wagner den falschen Ausdruck in seinem Text. Hinzu kommt eine völlig unlogische, auf Effekthascherei konzentrierte Anordnung von Erinnerungsfetzen, die sich wiederum einzig durch gnadenlose Vorurteile des Betrachters erklären lassen! Echter Wahnsinn! Vielleicht die ur-deutsche Variante der angelsächsischen Obituaries – statt fein-reflektierender Nachbetrachtung zur Würdigung eines Lebens: bramarbasierendes Nachgebrüll. “Als ich ihn interviewte, war er Millionär!” “Sie haben so viele Millionen mit den wenigen Buchstaben erschrieben.” Hat Simmel nicht alle Buchstaben des Alphabets verwendet? Welche nicht? Das möchte man doch wissen!

Durchaus Phantasieanregend: Wagner verfügt auch sonst über ein Wahnsinns-Arsenal an Menschenverstand und dazu noch ein Wahnsinns-Faktenwissen.

Zu einer hochsensiblen und auf unglaublich exakter Beobachtung beruhenden Bewertung des biografischen Kontextes von Simmels Biografie wie der nachfolgenden bedarf es schlechterdings umfassendster Geschichtskenntnisse und allerlängster Lebenserfahrung. Die von unserem G.-Goethe literarisch gefasste Essenz eines von Tragik umwehten Lebens liest sich so: 

Kreisch! Das mit dem Sex in Gebüsch und Co. wird nach ein paar Absätzen wiederholt. Wer hätte das gedacht von Simmel! Da hat doch ein Toter sich zu Lebzeiten mit Sex beschäftigt und offenbar unvorsichtigerweise mit der Presse darüber geredet. Tsetsetse! Wien liegt übrigens in Österreich. Und das wurde 1938 vom Reich annektiert. Da war Simmel 14! Bei welcher Gelegenheit hat nun also die Mutter dem weinenden Kinde den Mund zugehalten, wenn nicht hinter der Tür, als die Gestapo klopfte? Oder wie jetzt? Wer’s glaubt, dass der 14jährige Simmel hinter der Wohnungstür laut geheult hat, wird selig! Aber was soll der monolithische Hinweis dann? Ich kann mir übrigens bei den von Wagner genannten Stichworten “Nazis”, “Gestapo”, “Auschwitz” ohne groß zu überlegen deutlich Schlimmeres vorstellen als eine Mutter, die einem weinenden Kind den “Mund zuhält”. Und das ist ja noch nicht Alles! Der Wagner hat richtig viel geschrieben!

Aber was ist nun pietätloser: Wagners decouvrierender Erguss oder der Umstand, dass dieser Schwachsinn offenbar unredigiert den Lesern von Welt und WamS zugemutet und ihnen ein kluger Nachruf vorenthalten wurde? pam

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