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Wie die ZEIT den Dalai Lama desavouiert

Man beachte allein den Link. Da hat sich einer der Jungs von Zeit online richtig Mühe gegeben, dem unpersönlichen Zahlensalat üblicher Artikel-Bezeichnungen mit einem subversiven politischen Statement zu begegnen. Das also hält man bei Zeit online vom Dalai Lama:

http://www.zeit.de/2009/11/DOS-Lamahausen

Wer nicht gleich drauf kommt: das assoziiert natürlich Entenhausen – und bietet damit wirklich kongenial die Kurzfassung dessen, was unser Freund Frank Sieren – der sich schon zuvor durch exzessiv ausgelebte dichterische Freiheit hervor getan hat – mit dem endlos langen Riemen vermitteln wollte, der mit diesem Link erreicht wird. Vielleicht wollte sich der Bearbeiter (ist das der, der sonst den ganzen Tag damit beschäftigt ist, die ZEIT online-Texte durch orgiastisches Suchmaschinen-Optimieren in den Suchergebnissen nach oben zu schummeln?) beim berühmten Autor auch bloß einschleimen, weil er den Kokolores glaubt? Diesen Sieren-Erguss traut sich die ZEIT, dem seit Monaten von chinesischer Propaganda okkupierten Leserforum zu präsentieren. Die Internet-Kolonne ließ nicht lange bitten. “Zwietracht im Exil” also. “Der Dalai-Lama-Clan: Einblicke in eine verunsicherte Gefolgschaft”. “Einblicke in die Arbeitsweise eines Bestsellerautors” träfe es besser.

Aber der Reihe nach. “Zwietracht”. Die Überschrift legt nahe, dass die Gefolgschaft des Dalai Lama bröckelt. Beweisen können die von Sieren zusammengetragegen Äußerungen aus dem Umfeld des Dalai Lama diese These jedoch nur, wenn zuvor festgelegt wurde, dass in diesem besonderen Fall die Aussagen von zwei, drei Leuten repräsentativ für die gesamte Gefolgschaft sind. Weltweit haben gerade Zehntausende demonstriert. Unser wackerer Reisender hat aber nur mit drei Leuten gesprochen, die dem näheren Umfeld des obersten Tibeters zuzurechnen sind, dazu drei weiteren. Keiner befindet sich in Opposition zum Dalai Lama oder fordert gar seine Abdankung. Die Befragten äußern nur zu bestimmten Aspekten seiner Politik andere Ansichten. Es herrschen offenbar milde Zweifel an der auf Ausgleich ausgerichteten Politik des Dalai Lama. Die paar People, die Sieren zitiert, wünschen die völlige Unabhängigkeit Tibets und sind auch in Fragen der Gewaltlosigkeit aufgeschlossener – wenn man das mal so sagen darf angesichts der lästerlichen Haltung  der ZEIT gegenüber dem Pazisfismus des Dalai Lama. Auch diese unterschiedlichen Auffassungen sind keinesfalls neu. Also: Nein. Falls es tatsächlich Zwietracht unter der Gefolgschaft gibt, legt Sieren dafür keine Beweise vor. Es gibt nur – man höre und staune – Tibeter, die eine eigene Meinung haben und sie frei äußern. Und was war noch mal unvoreingenommene Berichterstattung?

In der Beschreibung des Wohnorts nahe der Grenze zu Tibet wird dann deutlich, warum das indische Exil als “Lamahausen” abqualifiziert werden muss. Tibet-Duselei, Esoterik-Freaks, Hollywood-Heilige – Sieren ist ein Meister der Insinuation. Der Autor garniert das durch selektive Wahrnehmung und blanke Vorurteile. O-Ton: “Im Dorf geht die Angst um, die Exilbewegung könnte in Vergessenheit geraten. Die Welt hat in diesem Jahr andere Sorgen, nicht nur den Klimawandel scheint sie vergessen zu haben. In Zeiten der Weltwirtschaftskrise haben es Minderheiten nicht leicht.”  Verdrängt, dass ein chinesischer Dissident im vergangenen Jahr den Sacharov-Preis des Europäischen Parlaments bekam und das als deutliches Zeichen verstanden wurde, da zuvor gemunkelt wurde, dass der Friedensnobelpreis wegen des Drucks aus China nicht an einen chinesischen Dissidenten ging? Vergessen, dass der Dalai Lama vom Europäischen Parlament empfangen wurde? Nicht mitgekriegt, dass seit Wochen - von den deutsch-sprachigen in schweizer und österreichischen Medien besonders - zahlreiche Artikel auf den Jahrestag in Tibet einstimmen? Was war noch mal ausgewogene Berichterstattung?

Und dann die Beobachtungen der Menschen vor Ort. Comic-Figuren. O-Ton: “In Gassen flanieren Esoteriktouristen aus Europa [Was ist das? Und woran erkennt man die?], tibetische Mönche in roten Gewändern mischen sich darunter [sind die nicht vielleicht einfach da, weil sie dort leben?], geschäftstüchtige Inder, Händler aus Kaschmir [nur platt Exoten-besoffen oder bisschen rassistisch?]. Junge Tibeter mit modisch ins Gesicht geföhnten Haaren umgarnen Touristinnen aus dem Westen. [Prostitution? Hat der Dalai Lama seinen Haufen nicht im Griff?] Sie tragen T-Shirts mit der Aufschrift “Never give up”.” [Unwürdige, kulturlose Abkömmlinge von Vertriebenen streben in die Kalte Heimat? Oder wollen sie sich von den Touristinnen nicht abblitzen lassen?] Das Fazit der schonunglos offenen Schilderung des Verfalls von Sitten und Gebräuchen muss man selber ziehen. Was will der Autor nun eigentlich wirklich sagen? Dass die verwahrlosten Abkömmlinge der Exilanten nicht mehr in der Tradition der Kultur des alten Tibet stehen und daher im neuen nix zu suchen haben? Was war noch mal vorurteilsfreie Berichterstattung? 

Dieser Artikel zieht sich ellenlang. Offenbar unredigiert, voller Gedankensprünge, naiver Betrachtungen, leerer Phrasen und Schwachsinn wie ‘Schwester Ursula war sehr streng’. “Wir haben deutsche Disziplin von ihr gelernt. … Auch ein wenig Deutsch lernte K., Vokabeln, die sie gut gebrauchen konnte, als Ursula Alzheimer bekam und den Dalai Lama mit Richard Gere verwechselte.” Die Vokabeln will man doch wissen! Vielleicht kann man sie brauchen, wenn mal wieder irgendein ZEIT-Fuzzi irgendeinen Bestsellerautor für einen Experten hält. Richard Gere möge mir verzeihen. pam

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